Salzland Staßfurt?
Eine kleine Exkursion in die Geschichte
Staßfurt liegt im Bundesland Sachsen-Anhalt, ca. 30 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Magdeburg. Die Stadt befindet sich im nordöstlichen Harzvorland und liegt an der Bode, einem kleinen Flüsschen, das im Harz entspringt. Die Bode ist ja für ihre Sage, die mit dem Riesen Bodo und der Roßtrappe zu tun hat, berühmt. Aber das ist ein anderes Thema...
Staßfurt im Salzland? Ja! Bereits im Mittelalter existierten in der Stadt Siedereien, in denen Salz aus der Sole gesotten wurde. Die Sole wurde in Brunnen zu tage gefördert. Das ging über Jahrhunderte so.
Salz galt in jener Zeit als weißes Gold. Man sagte sogar, dass die Einnahmen der Stadt durch den Salzhandel zeitweilig höher gewesen sein sollen, als die von Hamburg. Nun ja, das ist wohl nicht mehr nachprüfbar.
Sicher ist jedoch nachgewiesen, dass sich die Qualität der Sole ab der Wende zum 19. Jahrhundert zunehmend verschlechterte und die produzierten Mengen irgendwann nicht mehr ausreichten. Also wurden statt der bisherigen Brunnen jetzt Schächte in das Erdreich getrieben. Aus ihnen sollte das Salz abgebaut werden. Das ganze Vorhaben begann im Jahr 1839. Man fand dann später auch Salz, aber es war rot und schmeckte bitter! Es war also kein "richtiges" Salz. Wie groß muß da die Enttäuschung bei den Beteiligten gewesen sein. Aber es gab auch welche, die meinten: Nicht aufhören mit der Suche und Weitermachen! Und sie sollten Recht behalten. Schließlich begann im Jahr 1857 die Förderung auf den beiden ersten Schächten "Von der Heydt" und "Von Manteuffel". Die Schachteingänge sind übrigens noch heute auf dem Gelände der Stadtverwaltung in der Steinstraße zu sehen.
Der berühmte Chemiker Justus von Liebig hatte im Jahr 1840 wissenschaftliche Ergebnisse veröffentlicht, die den Wert der Kunstdüngung für Kulturpflanzen aufzeigten. Der in Staßfurt tätige Chemiker Dr. Adolph Frank entwickelte daraufhin ein Verfahren, nach dem aus den roten, bitter schmeckenden Salzen, den Kalisalzen, mineralischer Kunstdünger hergestellt werden konnte. Die vormals unbrauchbaren Salze wurden daraufhin wiederentdeckt und ab 1861 wurden in beiden Schächten überwiegend Kalirohsalz gefördert.
Eine Entwicklung wurde dadurch in Gang gesetzt, die den Namen Staßfurts in die ganze Welt trug. Mineralischer Kunstdünger wurde zum unverzichtbaren Bestandteil für die Landwirtschaft. Es begann ein regelrechter "Kali-Boom". Allein in und um Staßfurt existierten um die Wende zum 20. Jahrhundert 25 Schächte. Deutschland war bis zum Ende des I. Weltkrieges alleiniger Hersteller von Kalidüngemitteln. Bedeutende Persönlichkeiten, wie der Geheime Bergrat Rudolph Arwid von Carnall, der Unternehmer und Chemiker Julius Grüneberg, der spätere Nobelpreisträger Jacobus Hendricus van`t Hoff, Prof. Heinrich Precht, die Fabrikdirektoren Adalbert Langbein und Prof. Paul Mielcke, Oberbergrat Edmund Weißleder u.v.a. sind mit der Entwicklung des Kalibergbaus in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen. Nicht zu vergessen ist die große Anzahl an Bergmännern und Arbeitern. Besonders jene nicht, die während der täglichen Arbeit im Schacht ihr Leben ließen.
Die chemische Industrie und der Maschinenbau siedelten sich auch in der Stadt an. Nahezu jede Familie war damit direkt oder indirekt mit der "Salzindustrie" verbunden. Bis zum Jahr 1968. Damals schloß sich das Bergbaukapitel für die Stadt.
Heute wird kein Salz mehr in Staßfurt abgebaut. Aber die Geschichte ist im Stadtbild allgegenwärtig und wird besonders durch das Museum und die Vereine lebendig erhalten. Auch das Akkordeonorchester "Salzland" greift im Namen diese alte Tradition der Stadt auf.
Marcus Bohnstedt, Diplom-Geograph